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                                                                                                                                                                               8.1.2012

an alle, die an „Helfen per Handschlag“ gespendet haben

 

 

Fathers Network
Masahiro
Ishigaki

 

Bericht Nr.1
- zur Grundschule nach Sanriku –

 

Nach Sanriku, wo ein kalter Wind weht

 

Am 13. Dezember:

Es sind für gewöhnlich viele Autos auf dieser Strecke Richtung Ishinomaki unterwegs, doch ich kam bis zum Ziel gut durch, weil gerade keine „rushhour“ war. Ich fuhr über die A 45 und der „Ichinoseki-Kaido“ bis zur Ortschaft „Iinogawa“. In der Meiji-Ära (1868-1912 ) wurde wegen der Erschließung neuer Reisfelder der Kitakami-gawa-Fluss, der bis dahin durch Ishinomaki floss, so umgebaut, dass der Fluss in der Opper-wan Bucht mündet. Die Ortschaft Iinogawa befindet sich zwischen dem alten und neuen Flussbett. Am 11. März 2011 hat der Tsunami von der Oppa-wan Bucht aus die Städtische Ôkawa-Grundschule von Ishinomaki verschlungen. Die Schüler werden zur Zeit in der Iinogawa-Grundschule unterrichtet. Man sieht die großen Bemühungen des Lehrerteams, da es seit meinem letzten Besuch viel aufgeräumter aussieht. Es gibt aber noch eine Menge ungelöster Probleme in der Grundschule, von denen mehrere Schüler und Lehrer dem Tsunami zum Opfer gefallen sind. Gedanken, dass sie, wenn möglich, die Opfer wiederfinden wollen, - Herzenskummer, dass sie die Opfer nicht mehr finden können, - unheilbarer Kummer von erschöpften Seelen und Körpern. Wir bedauern, dass wir ihnen nur Gesundheit wünschen können. Ihre Spende mit dem Brief und der Kopie von ihrer Hompage habe ich dem Schuldirektor überreicht. Sie wird für Aktivitäten in den Ferien, Vorbereitungen für den Winter und Instandhaltung der Schule benutzt. Der Schuldirektor hat sich sehr herzlich bei ihnen für ihre Spende bedankt. Tulpen warten auf den Frühling.

 

Nach dem Besuch der Iinogawa-Grundschule, die sich zur Zeit in der Ôkawa – Grundschule befindet, bin ich zur Flussmündung vom Kitakami-kawa Fluß gefahren, wo noch die frischen Wunden des Tsunamis zu sehen sind. Der Stadtteil, wo die Ôkawa-Grundschule stand, ist fast verschwunden . Es weht ein kalter Wind über das Flussufer. Wer hätte gedacht, dass der Tsunami bis dorthin kommt. Wahrscheinlich war dort eine Turnhalle gewesen, aber man sieht nur noch eine Treppe. Daneben steht eine Betonwand mit einem gemalten Bild über das Märchen „Die Nacht der Milchstraßeneisenbahn“ von Kenji Miyasawa, ein Dichter der aus Nordjapan stammt. Auf einer zerfallenen Betonwand steht:“ Es gibt kein persönliches Glück, solange nicht die ganze Welt glücklich ist… Kenji Miyasawa“.

 

Auf einem Platz, auf dem Deich, wohin Kinder flüchten wollten, haben Leute Tulpenzwiebeln gepflanzt. In der Hoffnung, das im Frühling, wenn die Tulpen blühen, die Leute sich ein bisschen freuen können. Wir hoffen das auch. Als ob nichts passiert wäre.

Die städtische Grundschule von Minami-Sanriku-Tokura stand 250 Meter von der Shizugawa-wan Bucht entfernt. Sie ist in das alte Schulgebäude der Zen-nouji Grundschule umgezogen, das eine halbe Stunde mit dem Auto ins Landesinnere entfernt liegt. Die Kinder müssen jeden Tag mit dem Bus zur Schule fahren. Am Anfang fanden sie es anstrengend, aber mittlerweile haben sie sich daran gewöhnt, so meint der Schuldirektor. Im Inland, ein Stück weg vom Meer, läuft das Alltagsleben mit viel Autoverkehr ganz normal, als ob nichts passiert wäre.

Herr Asokawa, der Schuldirektor, ein alter Bekannter von mir, hat sich auf unser Wiedersehen gefreut. Er interessiert sich sehr für Regenwürmer und erzählt gerne lustige und interessante Geschichten über sie. An diesem Tag erzählte er auch wie immer, „ Wussten sie das Regenwürmer Füße haben?...“ Die 2000 Regenwürmer, die er mit den Schülern gezüchtet hat, sind auch von dem Tsunami weggespült worden. Am 11.März 2011 sind alle Schüler und Lehrer auf eine Anhöhe der Bergseite geflüchtet. Trotz mehr als 10 Meter Höhe reicht das Wasser des Tsunami bis dort und sie mussten einen noch höheren Platz suchen. Dort haben sie Feuer gemacht und auf den Rettungsdienst gewartet. Das war ein großes Glück, so dass es nur wenige Opfer gab. Die Tokura-Grundschule muss im März 2012 noch einmal umziehen. Es dauert noch ein bißchen, bis sie ein richtiges Zuhause gefunden haben. Auch das Meer weint. 

Nachmittags um 4 Uhr, es beginnt bereits zu dämmern. Wir fuhren mit dem Auto von der alten Zen-nouji Grundschule an der Eisenbahn Linie Kesen-numa entlang Richtung Meer. Das Küstengebiet von „Sanriku“ wurde oftmals von Tsunamis getroffen und die Anwohner hatten sich in Acht genommen. Es gab aber eine Falle. Ein paar Tage vor dem 11.März gab es auch ein ziemlich großes Erdbeben, jedoch ohne anschließenden Tsunami. So war die Überraschung am 11. März dann noch größer. Auf dem Weg zum Meer zeigen die Bäume gewaltige Spuren des Tsunamis. Die Wasserlinie ist sehr deutlich an den Stämmen durch den Farbunterschied erkennbar. Sowohl die Eisenbahnlinie Kesen-numa als auch der Bahnhof Rikuzen-Tokura sind spurlos verschwunden. In der Ortschaft sind jetzt der Schutt und die Trümmer einigermaßen verschwunden und aufgeräumt und man kann das Schulgebäude der Tokura-Grundschule erkennen, das erdbebensicher gebaut wurde. Es steht allein dem Meer gegenüber. Die große Welle soll bis oben an das Gebäude gereicht haben, so dass es eine gute Entscheidung war, auf den Berg zu flüchten. 

Die Turnhalle, die erst Anfang März 2011 eingeweiht worden ist, steht wie ein Skelett auf einem Fundament und nur ein umschlungener Vorhang lässt vermuten, dass es sich um eine Turnhalle handelt. Das unruhige Meer brachte uns unerwartet unwilliges Unglück. Das Meer merkt selber sein eigenes gewaltiges Wesen. Und wir, als ein Teil der Natur, machen uns zur Aufgabe, dass wir uns umblicken. Ich hatte lange Zeit Bedenken, an den Unglücksorten zu fotografieren. Ich konnte nicht, wenn ich an die Opfer dachte. Aber dieses Mal, zum ersten Mal, habe ich mit einer kleine Kamera fotografiert um ihnen einige Eindrücke zu übermitteln.

Die Spenden, die Sie uns überwiesen haben, wurden jeweils zu 200.000 Yen an die Ôkawa- und Tokura-Grundschulen überreicht. Wir bedanken uns bei Ihnen und all denjenigen, die sich an „Helfen per Handschlag“ beteiligt haben für ihre Unterstützung. Durch Ihre wohlwollende Unterstützung wird das Schulleben der Kinder reibungslos weitergehen. Ich weiß nicht, wie ich meinen Dank aussprechen soll.

 

 

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